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Immer mehr Künstlerinnen und Künstler veröffentlichen ihre Musik als Deluxe-Alben. Was das bedeutet und wieso es vermutlich ein Marketing-Trick ist, um mehr Streams zu generieren, erklärt dir unser Rapnews-Host Joshua.

Vielleicht ist es dir selbst ja schon mal aufgefallen: Auf den Streamingdiensten erscheinen immer mehr Alben mit einem „(Deluxe)“ oder ähnlichem hinter dem Titel. Was hat es damit auf sich?

Was sind Deluxe-Alben?

Das Konzept des Deluxe-Albums ist eigentlich gar nicht neu. Schon früher gab es spezielle Editionen von Alben, die teilweise Bonustracks enthielten oder – speziell bei Rap-Alben – oft die Instrumentals. Der Unterschied zum heutigen Deluxe-Album ist aber, dass die alten Deluxe-Alben am gleichen Tag rauskamen wie die Standardversion des Albums. Man konnte als Fan abwägen, ob man für ein paar Euro mehr die Deluxe-Version haben wollte und so in den Besitz von exklusivem Bonusmaterial kam, das eben nicht jeder hatte. Oder ob man sich das ganz normale Album kauft.

Das heutige Deluxe-Album funktioniert anders. Ein aktuelles Beispiel, um es zu erklären, ist „Maximum III“ von KC Rebell und Summer Cem. Das Album wurde am 16. Oktober mit insgesamt 14 Songs releast. Zwei Wochen später, am 30. Oktober, kam „Maximum III+“ mit fünf zusätzlichen, also insgesamt 19 Songs. Warum?

Was bringen Deluxe-Alben?

Eigentlich ist es ganz einfach: Mittlerweile ist die Musikwelt so schnelllebig geworden, dass sogar ein ziemlich erfolgreiches Album nach zwei, drei Wochen rasant an Streams verlieren kann, weil in der Zwischenzeit schon wieder so viel neue Musik releast wurde. Das kennst du sicher auch. Dadurch, dass man das Album einfach nochmal rausbringt und bewirbt, kann man die Hörerinnen und Hörer wieder zu sich ziehen und die Streamingzahlen des Albums steigen wieder – soweit zumindest die Theorie. Da man selbstverständlich nicht das exakt gleiche Album nochmal releasen kann, gibt’s noch ein paar Bonussongs dazu, manchmal wird auch das Artwork noch geändert.

In etwas kleinerem Stil machen das manche Künstlerinnen und Künstler auch mit ihren Singles. Ein Beispiel: 2019 startete Azad seine Promophase für „Der Bozz II“ mit der Single „Dieser Weg“. Als wenige Wochen später die zweite Single „Eiszeit“ releast wurde, packte er „Dieser Weg“ aber wieder mit auf die Single.

Bedeutet: Wenn seine Fans den neuen Song hören wollten, haben sie den alten auch gleich nochmal gehört, solange sie sich nicht aktiv dagegen entschieden und geskippt haben. Und das wiederrum bedeutet mehr Streams und mehr Geld für Azad.

Deluxe-Alben: Die USA macht es vor

In Deutschland sind es momentan eher noch spannende Einzelfälle, die man beobachten kann. In den USA ist das Konzept längst etabliert und viele Leute auch schon genervt davon. Zum einen, weil man einfach mit neuer Musik überflutet wird. Bei der Deluxe-Version von DaBabys Album „Blame it on Baby” gab es beispielsweise 11 neue Bonussongs, 24 (!) insgesamt. Zum anderen, weil der eigentliche Releaseday des Albums seinen Glanz verliert. Wenn man eh davon ausgehen muss, dass sich das Album in zwei Wochen nochmal ändert, wieso sollte man es jetzt schon hören? Es ist ja noch nicht wirklich ‚fertig‘. Wieder andere durchschauen schnell den Sinn der Deluxe-Version als reines Marketing-Tool und sind genervt.

pro tip: if the first album flopped, that deluxe version won’t help.

Deluxe-Alben: Reines Kalkül oder Win-Win?

Das Konzept scheint aber zu funktionieren und es wird sicher nur eine Frage der Zeit sein, bis es in Deutschland auch etabliert ist. Und es hat ja auch nicht nur Schattenseiten. Wie oft hast du schon Musikerinnen und Musiker gehört, die sich beschweren, dass man sie direkt nach dem Albumrelease schon wieder nach neuer Musik fragt? Die nimmersatten Fans kriegen auf jeden Fall eine Menge Material von ihren Lieblingskünstlerinnen und Lieblingskünstlern. Und davon abgesehen: Wenn jemand, von dem du ein großer Fan bist, mehr Geld mit seiner Musik verdient, ist das doch auch etwas Gutes.

Trotzdem muss ich der bisherigen Erfahrung nach sagen, dass die die Qualität nicht immer stimmt. Oft kommt es mir so vor, als hätte man die Bonustracks gemacht, um Bonustracks zu haben. Nicht, weil man dem Album noch etwas ergänzen wollte. Aber auch da kommt es einfach darauf an, welchen Anspruch die Künstlerin oder der Künstler an sich selbst haben. Deluxe-Alben können ein Marketing-Move sein, der einfach nur möglichst viele Streams generieren soll. Deluxe-Alben können Fans aber auch sehr glücklich machen, weil sie mehr Musik bekommen.

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